Kann ich ätherische Öle bei Katzen anwenden?

Die Arbeit von Caroline Ingraham, Gründerin der angewandten Zoopharmakognosie, inspirierte mich mehr über dieses Thema zu recherchieren. Neben wichtigen Inputs, welche beachtet werden müssen bei der Anwendung von ätherischen Ölen bei Katzen, findest du eine Übersetzung vom Blog-Artikel vom Tisserand Institute inklusive weiterer Studien.

Zusammengefasst: Jedes Heilmittel und jede Medizin benötigen die richtige Dosierung, sodass es nicht zu einem Toxin wird. Katzen besitzen weniger von einem bestimmten Enzym, welches ätherische Öle, respektive ihre Duftmoleküle abbaut. Aus diesem Grund sind die Dosierung und die Anwendungsform als essentiell wichtig zu betrachten, da es sonst zu Vergiftungen führt.

Aromatherapie bei Katzen – Was gilt es zu beachten

Hier eine Übersicht dazu, was unbedingt beachtet werden muss bei der Anwendung von ätherischen Ölen bei Katzen. Die einzelnen Punkte werden weiter unten ausgiebiger besprochen:

  • Über den Riechtest herausfinden, welches ätherische Öl und / oder Hydrolat die Katze mag / momentan braucht.
  • Nur anwenden, wenn du weißt, wie und mit welchen ätherischen Ölen / Hydrolaten gearbeitet werden kann. Ätherische Öle sind stark konzentriert.
  • Wenn ein Katzenbesitzer den Diffusor laufen lässt: Optimalerweise mit einem Duft den die Katze mag, der Katze die Möglichkeit geben, den Raum zu verlassen (offene Türen / Fenster), den Raum nachher gut lüften und nicht Dauerlaufen lassen.
  • Ätherische Öle niemals äusserlich pur oder verdünnt anwenden, Oral (innerlich) ist ein absolutes NoGo. Daran denken, dass Katzen sich ablecken und somit das ätherische Öl innerlich einnehmen können.

Wie kann ich ätherische Öle und Hydrolate bei Katzen anwenden?

Wenn wir Wildkatzen betrachten, welche sich selber über bestimmte Pflanzen oder Mineralien zu helfen wissen, wird folgendes beobachtet: Sie rollen auf den Pflanzen herum, zerquetschen diese und setzen damit volatile (flüchtige) Stoffe frei – welche sie dann inhalieren. Sie helfen sich selber über die Duftverarbeitung, über die Vielzahl der chemischen Moleküle, welche Sie über die Nase aufnehmen.

Dieser Instinkt, das bestimmte Duftmoleküle (Inhaltsstoffe in ätherischen Ölen / Hydrolaten) ihnen helfen oder schaden, ist bei der Domestizierung nicht verloren gegangen. Die Katze findet über ihre Nase heraus, ob sie bestimmte Inhaltstoffe in diesem Moment benötigt oder nicht.

Aus diesem Grund ist es notwendig, dass der Katze immer die Chance gegeben wird, an dem ätherischen Öl / Hydrolat zu riechen. Vertraue auf ihren angeborenen Instinkt und auf ihre Nase, dass sie selber herausfinden können, was ihnen guttut.

Caroline Ingraham arbeitet praktisch «nur» mit Inhalationen*, mit sehr grossen Erfolgen von Hauskatzen bis zu Raubkatzen. Dabei setzt Sie unter anderem ätherische Öle, Hydrolate und auch (getrocknete) Pflanzen ein. Wunderbare Videos wie dies aussehen könnte, kannst du auf der englischsprachigen Internetseite von Caroline Ingraham (Link) ansehen. Natürlich ist es essentiell, interpretieren zu können, was die Katze an Signalen aussendet, während sie das ätherische Öl riecht.

«Man kann nicht sagen, alle ätherischen Öle sind toxisch für Katzen. Es kann toxisch sein, im speziellen, wenn die Katze das ausgesuchte nicht braucht. Eine Überdosierung führt zu einer toxischen Reaktion, also ist die Dosierung sehr wichtig zu beachten. Im Speziellen wenn das ätherische Öl äusserlich angewendet wird. Ich hatte noch nie Nebenwirkungen bei der Arbeit mit Katzen, da ich mit den richtigen Dosierungen arbeite.« Zitat Caroline Ingraham

*Hinweis Inhalationen: Wenn ich hier von Inhalationen rede, ist das Anbieten des Duftes gemeint – im Sinne einer Riechübung. Es handelt sich nicht um eine Anwendung in einem Inhalator/ Maske/ usw.

Kann ich ätherische Öle in einem Diffusor / Duftlampe anwenden, auch wenn ich eine Katze habe?

Wenn ein ätherisches Öl in der Duftlampe/ in einem Diffusor in einer angemessenen Dosierung angewendet wird und die Katze die Möglichkeit hat den Raum verlassen zu können (!) wird keine Gefahr für die Katze bestehen. Schau, dass du den Raum nach der Anwendung gut lüftest und lasse die Duftlampe nicht Dauerbrennen (was so oder so nicht empfehlenswert ist). 

Optimalerweise schaust du vorher, ob es ein ätherisches Öl ist, welches die Katze mag. Wenn der Duft der Katze nicht passt, wird sie gehen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig (besonders bei Hauskatzen), dass sie eine Fluchtmöglichkeit haben.

«Sinnvoll eingesetzt, sind die meisten ätherischen Öle sicher für die Verwendung in Pflegeprodukten für Haustiere oder für einen schwache, intermittierende Diffusion.» (zitiert Tisserand Institute Blog)

Vertragen Katzen ätherische Öle – wo liegt das Problem?

Sobald ein ätherisches Öl, respektive seine Inhaltstoffe, im Körper zirkulieren, werden diese von der Leber biotransformiert: Die Duftstoff-Moleküle sollten möglichst schnell wasserlöslich werden, sodass der Körper sie u.a. über den Urin ausscheiden kann. Die Biotransformation (Umwandlung) geschieht durch sogenannte Enzyme (oftmals als «Schere» beschrieben, da diese Stoffe umwandelt). 

Im Gegensatz zu uns Menschen, sind bei Katzen bestimmte Leber-Enzyme, welche ätherische Öle verarbeiten, viel weniger vorhanden. Katzen sind Karnivoren (Fleischfresser), nicht Herbivoren (Pflanzenfresser wie zum Beispiel ein Pferd) oder Omnivore (Allesfresser wie ein Bär). Herbivoren besitzen viel mehr dieser Enzyme, da das Tier im Laufe der Evolution u.a. über die Nahrung, schon sehr viel mit Duftstoffen in Kontakt kam.

Aufgrund des Mangels der UDP-Glucuronyltransferase haben Katzen eine geringere Glukuronidierungsfähigkeit (Ausscheidung Stoffe über Leber) gegenüber gewissen Xenobiotika (Fremdstoffen). Das heisst, Xenobiotika (Verlinkung Artikel Warum ätherische Öle nicht natürlich sind) wie zum Beispiel Phenole und Verbindungen mit einem Phenolgerüst werden nur langsam eliminiert/ausgeschieden. 

Wenn wir bei den Phenolen bleiben: Wenn zu viele Phenole in der Leber vorhanden sind und die Enzyme mit dem Abbau nicht nachkommen, führen die «übrigen» Phenole der Leber Schaden zu. Nebenbei: Dies betrifft natürlich nicht nur ätherische Öle. Katzen reagieren aus diesem Grund gegenüber zahlreichen Arzneimitteln und Schadstoffen. (Phenole kommen auch häufig in Reinigungs-, Desinfektions- und Konservierungsmittel vor.)

Fazit: Wenn also mit kleinen Mengen an Duftmolekülen gearbeitet werden, wie dies durch eine Inhalation geschieht, kann eine Katze dies verarbeiten. Wenn aber eine geballte Ladung von Duftmolekülen durch eine orale Gabe oder durch die Anwendung von ätherischen Ölen auf der Haut verabreicht wird, werden die wenigen Enzyme nicht nachkommen mit dem Abbau der Duftstoffe. Es entstehen Nebenwirkungen und Vergiftungssymptome.

Vorsicht bei der äusserlichen Anwendung

Woher kommen die Vorsichtsmassnahmen gegenüber ätherischen Ölen bei Katzen? 

Es gibt Fälle, bei welchen die Anwendung von ätherischen Ölen bei Katzen zu starken Nebenwirkungen bis hin zum Tod führten. Nun muss aber differenziert werden, wie und in welcher Dosierung mit welchen ätherischen Ölen gearbeitet wurde.

Wie schon erwähnt, sollten ätherische Öle NIE pur aufgetragen werden – ob auf eine Wunde oder einen Zeckenstich noch sonst wie. Auch verdünnt ist nicht zu empfehlen. Katzen lecken ihr Fell ab während der Fellpflege (was eine orale Anwendung zur Folge hat). Ebenso haben Katzen, im Vergleich zu anderen Tierarten, zahlreichere Haarfollikel – welches (eine Annahme) dazu führen kann, das ätherische Öle stärker resorbiert werden.  

So berichtet eine Dokumentation (nachzulesen auf dem Tisserand Blog) eine Überdosierung bei der Anwendung von Teebaumöl. Dieses wurde bei einer äusserlichen Anwendung pur (20ml pro Katze – eine immense Menge) auf jeweils drei Katzen aufgetragen. Eine davon starb (wahrscheinlich an einer Lebervergiftung), zwei weitere konnten gerettet werden nach intensiver Behandlung. 

443 Vergiftungsfälle mit Teebaumöl wurden aus einem 10-jährigen Zeitraum ausgewertet (Khan, 2014). Davon waren 337 Hunde und 106 Katzen. Bei 50% der Fälle wurde das Teebaumöl pur äusserlich aufgetragen, bei 30% kutan und oral und in 15% der Fälle rein oral. Hauptsymptome waren vermehrter Speichelfluss, ZNS-Depression oder Lethargie, Lähmungen und Muskeltremoren. Die Symptome zeigten sich nach 2 bis 12 Stunden nach der Applikation. 

Schon 1994 wurde ein Review (Villar, 1994) publiziert welche beschrieb, dass die meisten Fälle von Vergiftungen mit Teebaumöl dann auftraten, wenn diese in zu hohen Dosierungen äusserlich aufgetragen wurde (auch auf Hunde und Katzen bezogen).

Neben Teebaumöl wird scheinbar häufig die Flohminze (Mentha pulegium) empfohlen (Tisserand Blog). Ob es wirklich wirkt bei Zecken, dazu gibt es keine Studien. Da es aber um ein Vielfaches toxischer ist als Teebaumöl, kann die pure Anwendung zum Tod der Katze führen. Auch ätherische Öle mit Menthol oder den schon erwähnten Phenolen sollten mit Vorsicht Anwendung finden. 

So lande ich am Ende der Recherche bei meinem Lieblingsspruch, egal ob es um ein «natürliches» oder «chemisches» Mittel geht (auch wenn «natürliche» Mittel auch «chemisch» sind, aber das ist ein anderes Thema): 

«Nichts ist Gift, alles ist Gift, die Dosierung macht Gift zu Gift.»

Katzen haben eine sehr feine Nase, welche genau darüber berichtet, was ihr guttut und was nicht. Was sie mag, hilft ihr auch – wobei ich hier nur vom Riechen rede. Wie schon oben erwähnt, sind äusserliche und orale Anwendungen mit einer sehr grossen Vergiftungsgefahr verbunden. 

Je nach Ausbildungsstand lässt du dich am besten von einer (katzenkundigen) Aromatherapeutin beraten und/ oder informiere dich bei vertrauenswürdigen Quellen.

Hier weitere Blog – Artikel, die dich interessieren könnten:

Referenzen:

Dateien von Sabine Möbius über ätherische Öle bei Katzen auf der Tier-Aromatherapie  https://www.facebook.com/groups/330181544360098

Cats and Essential Oil Safety – Tisserand Institue: https://tisserandinstitute.org/cats-essential-oil-safety/

Working with your Cat – Caroline Ingraham Educational Site: https://workshops.carolineingraham.com/working-with-your-cat-free/

Guide pratique dÀromatherapie chez l`animal de compagnie par Pascal Debauche et Dominique Baudoux

https://www.vetpharm.uzh.ch/wir/varia/udpg1a6.htm

CliniPharmCliniTox: Pharmakogenetik: UDPG-Defekt (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie Zürich)

Krankheiten der Katze, Hans Lutz, Barbara Kohn, Franck Forterre, 2015

Concentrated tea tree oil toxicosis in dogs an cats: 443 cases (2002-2012), Safdar Khan, M. McLean, M. Slater; J Am Vet Med Assoc.

Toxicity of melaleuca oil and related essential oils applied topically on dogs and cats. Vet Hum Toxicol. 1994, D. Villar, M. Knight, S. Hansen, W. Buck

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