Wie ätherische Öle dich beim Lernen unterstützen

Zum Lernen, für Prüfungen und die Konzentration

Bevor das Potenzial von ätherischen Ölen verstanden werden kann, muss die Einzigartigkeit des Geruchssinns erkannt werden. Neben dem haben Düfte einen Einfluss auf uns, diese kann bewusst durch ätherische Öle genutzt werden. Doch sollen entspannende oder stimulierende Öle eingesetzt werden?

Lernen, Gehirn und Duft

Der Geruchssinn ist der einzige Sinn, welcher «unzensiert» das Gehirn erreicht, also nicht über den Thalamus geleitet wird. Durch die direkte Verbindung zum Gehirn, besonders zum limbischen und vegetativen Nervensystem, beeinflussen Düfte, unbewusst oder bewusst, die Emotionen, das Gedächtnis und diverse Körperfunktionen wie den Herzschlag und den Blutdruck.

Ein Duft kann eine längst vergessene Erinnerung im Bruchteil einer Sekunde hervorrufen. Gerüche, Erinnerungen oder Lerninhalte werden miteinander abgespeichert. Dies zeigt sich auch durch die enge Verbindung zwischen der Amygdala und dem Hippocampus (Doland & Mott, 2016) (Fjaeldstad, Moller, Fernandes, & Hartevelt, 2017) (Ghio, 2016).

Während des Schlafens wird das gelernte entweder «vergessen» oder in unserem Langzeitgedächtnis abgespeichert. Wenn nun ein Geruch zum Lernen verwendet wird, und während des Tiefschlafes derselbe Geruch -unbewusst- noch einmal gerochen wird, führt dies dazu, dass sich die Person am nächsten Tag besser an das Gelernte erinnert (Rasch, 2008) (Steflitsch, Wolz, & Buchbauer, 2013).

Wie wende ich die ätherischen Öle beim Lernen an?

Ätherische Öle können also zum Lernen über verschiedene Mechanismen hilfreich sein: Als Motivationsmittel, als konzentrations- und stresssenkende Massnahme oder als Hilfe, um das Gelernte besser zu verankern. Im Alltag kann Verschiedenes ausprobiert werden:

«Der Lern-Duft» 
Während des Lernens ein ätherisches Öl verwenden. Den gleichen Duft mit an die Prüfung oder zur Schule nehmen (auf einem Taschentuch, Riechstift, Roll-on, usw.), um das Gelernte schneller hervorzuholen (Heuberger, 2016). Für verschiedene Fächer unterschiedliche Düfte verwenden.

«Verankerungs-Tipp» 
Während des Lernens mit einem ätherischen Öl arbeiten. In der Nacht denselben Duft auf einem Taschentuch oder Nuschi ins Bett nehmen. Dies hilft, das Gelernte im Schlaf zu verankern.

«Mutig & Stark» 
Bei Prüfungsangst oder allgemein in der Schule hat das Kind etwas in der Hand, welches es selber und sicher anwenden kann. Durch eine positive Konditionierung mit dem Duft, zum Beispiel durch ein «Stark-wie-ein-Bär-Duft», kann Einfluss auf die Grundhaltung des Kindes genommen werden (Heuberger, 2016).

 «Motivation Pur» 
Das ätherische Öl als «Motivationsmittel» zum Lernen anwenden. Wenn das Kind sich zum Lernen hinhockt, darf es selber einen Tropfen des ätherischen Öles in eine «Taschentuch-Blume» hineintun.

Die Anwendung beim Lernen kann individuell sein. So kann der Tropfen vom ätherischen Öl auf ein Taschentuch, Duftstein, Raumspray, usw. getan werden.

Welches ätherische Öl sollte ich anwenden? 4 Aspekte

Zum Verständnis, welche ätherischen Öle für eine bessere Konzentrationsfähigkeit eingesetzt werden sollen, stehen folgende Grafiken.

Die Yerkes-Dodson-Law (Abb. 11) zeigt auf, das zu wenig wie auch zu viel Stress zu einer Leistungsabnahme und Distress führt. Das «Window of Tolerance» (Abb. 12) wiederum stellt dar, dass nur im Optimum-Bereich (grün) die Möglichkeit der Aufmerksamkeit besteht. Um aufnahmefähig und konzentrationsfähig zu sein, muss eine Person im jeweiligen «Mittelbereich» sein, also im Eustress und in «Balance,» wie häufig formuliert wird. Somit ist es bei jeder Person ein Ziel, möglichst im optimalen Bereich zu sein.

  1. Klassische Konzentrationsfördernde ätherische Öle sind
  • Monoterpen-haltige Öle wie Zitrone, Lemongras, Bergamotte, Kardamom.
  • Oxid-haltige Öle wie Rosmarin, Eukalyptus globulus. Diese verstärken die cerebrale Durchblutung und wirken neurotonisch. Acetylcholin, auf welche Oxide modulierend wirken, steuern im Hippocampus den Theta-Rhythmus, welcher wiederum eine Grundvoraussetzung für die Gedächtnisbildung darstellt (Gehirn und Lernen, 2018).
  • Menthol-haltige Öle wie die Pfefferminze, welche olfaktorisch-trigeminal wirken.
  1. Die Wirkung über den Trigeminus-Nerv

Viele Düfte, respektive Inhaltsstoffe wie Menthol oder Cineol, aktivieren den Trigeminusnerv, welcher einen direkten Einfluss auf unseren Wachheits – und Aktivierungszustand hat («Wo ist die Gefahr?!»). Ein trigeminaler Stimulus kann dazu führen, dass die Person vermehrt ablenkbar ist. In Abb.12 wäre die Person nun im oberen Bereich, er ist «überstimuliert». Die Person richten die Aufmerksamkeit schneller auf etwas anderes, als jene Person, die nur mit besonders olfaktorischen wirksamen Ölen arbeiteten (Heuberger, 2016).

  1. Die «Überstimulation» durch ätherische Öle

Zwei Studien vergleichen die Wirkung unterschiedlicher ätherischer Öle auf unsere Aufmerksamkeit. In der ersten Studie wurden Rosmarin und Lavendel und in der zweiten Lavendel, Eukalyptus und eine geruchlose Kontrollgruppe verglichen. Bei beiden schnitt im Endresultat Lavendel besser ab. So führte zum Beispiel Rosmarin zu einem «überregten» Zustand, was dazu führte, dass die Rechenaufgaben zwar schneller, aber ungenauer erledigt wurden. Auch in der zweiten Gruppe schnitt Lavendel bei anspruchsvolleren Aufgaben besser ab (Dobetsberger & Buchbauer, 2010) (Heuberger, 2016). Rosmarin und Eukalyptus enthalten 1,8-Cineol, ein Oxid, welches olfaktorisch – trigeminal wirkt. Lavendel beruhigt und bringt die Person «in die Mitte».

  1. Die ausgleichende Wirkung von ätherischen Ölen

Ein ätherisches Öl kann in einem Moment anregend wirken, in einem anderen beruhigend. Wenn die Inhaltsstoffe am Beispiel der Bergamotte näher betrachtet wird, fällt etwas auf:

InhaltsstoffgruppeStichworte zu Wirkungen der Inhaltsstoffgruppen
50% MonoterpeneKonzentrationssteigernd, wach, tonisierend
30% Monoterpenester Entspannung, beruhigend, Glück
12% MonoterpenoleAdaptogen, reguliert Stresshormone
Sesquiterpene  Kraft, Stärke, Selbstvertrauen, Katalysator
Furanocumarine  Geborgenheit, Entspannung

Ätherische Öle sind Vielstoffgemische. Sie können, je nach Zusammensetzung, «stimulierende» wie auch «beruhigende» Inhaltsstoffe enthalten, aus diesem Grund gleichen sie aus.

Sollten wir nun für eine bessere Konzentration entspannen oder sollte das Gehirn stimuliert werden?

Beides. Denn wenn ein Kind «überaktiv» ist, oder noch zu «gestresst», bzw. im Disstress ist, dann wird eine entspannende Komponente benötigt. Aber dennoch sollte das Gehirn, spezifisch stimuliert werden. Spezifisch, da ein trigeminaler Reiz die Aktivität des Gehirns erhöht, welche die Reizschwelle heruntersetzt.

Bei ADHS Betroffenen zum Beispiel ist diese Reizschwelle genügend «offen». Vielleicht ist das der Grund, warum vielfach monoterpenhaltige Öle bei AD(H)S empfohlen werden. Sie „stimulieren ohne aufzuputschen“, da sie besonders über den olfaktorischen Weg führen. Viele monoterpenhaltige Öle sind zusätzlich stimmungsaufhellend und stresssenkend. Das komplette Paket um im optimalen Bereich zu lernen. Viele ätherische Öle wirken über den olfaktorischen und den trigeminalen Weg. Falls ein trigeminales Öl wie die Pfefferminze eingesetzt wird, könnte die Mischung mit einem stark sesquiterpenhaltigen Öl wie Vetiver kombiniert werden.

Mit ätherischen Ölen kann der grüne Optimum Bereich (Abb.12) vergrössert und somit die Stressresistenz einer Person erhöht werden.

Schlussendlich kommen unterschiedliche Studien zu diesem Resultat. So führte bei einer Studie, welche das ätherische Öl des «Petit Grain Öl» einsetzte, zu einer verbesserten Leistung bei der Arbeit. Die Autoren führten dies auf einen ausgeglichenen Parasympathikus–Sympathikus, einer Reduzierung des Stresslevels mit gleichzeitiger Erhöhung der Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zurück (Huang & Capdevila, 2017).

Grundsätzlich wichtig: Der Geruch muss angenehm sein!

Angenehme Düfte führen nachweislich zu einer Aktivierung von Alpha-Wellen im Gehirn, während dessen unangenehme Düfte diese senken. Ebenso ändert sich die Atmungsfrequenz. Logischerweise führt ein angenehmer Duft zu einem tiefen Atemzug, ein unangenehmer Duft dagegen nur zu kurzen Atemzügen. Hinzu kommt, dass in einer gut duftenden Umgebung besser gelernt wird. Bei unangenehmen Düften möchte man flüchten, und wenn dies nicht möglich ist, werden Stresshormone ausgeschüttet. So wird man von einer Aufgabe abgelenkt, sodass mehr Fehler entstehen (Heuberger, 2016).

Dies trifft auf jede Lernumgebung zu – egal ob zu Hause oder in der Schule. Ätherische Öle können auf sehr vielen unterschiedlichen Weisen der Person beim Lernen helfen. Das wichtigste, gehe der Nase nach – Probiert es aus!

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Quellen

Ames Research Center. (2004). Stress, Cognition, and Human Performance:
A Literature Review and Conceptual Framework. California: NASA/TM.
Dobetsberger, C., & Buchbauer, G. (2010). Actions of essential oils on the central nervous system: an updated review. John Wiley & Sons, Ltd.: Flavour and Fragrance Journal.
Doland, M., & Mott. (2016). Functional neuroanatomy of amygdalohippocampal inter- connections and their role in learning and memory. Neuroscience.
Fjaeldstad, A., Moller, A., Fernandes, H., & Hartevelt, T. (2017). Brain fingerprints of
olfaction: A novel structural method for assessing olfactory cortical networks in health and disease. Scientific Reports.
Gehirn und Lernen. (3. Dezember 2018). Von www.gehirnlernen.de/störungen/ad-h-s/ abgerufen
Ghio, M. e. (2016). Neural representation of novel objects associated with olfactory experience. Behavioural Brain Research.
Heuberger, E. (2016). Effects of essential oils in the central nervous system. Taylor & Francis Group.
Huang, L., & Capdevila, L. (2017). Aromatherapy improves work performance through balancing the autonomic nervous system. The Journal of alternativ and com- plementary Medicine.
nicabm. (16. August 2019). National Institute for the Clinical Application of Behavioral Medicine. Von https://www.nicabm.com/trauma-how-to-help-your-clients- understand-their-window-of-tolerance/ abgerufen
Rasch, P. (2008). Geruchsinduzierte Reaktivierung von Gedächtnisinhalten im menschlichen Schlaf. Uni Trier.
Steflitsch, W., Wolz, D., & Buchbauer, G. (2013). Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis. Stadelmann Verlag.
Zimmermann, E. (2018). Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag.

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