Das Potential von ätherischen Ölen für ADHS und ADS Betroffene

Wie kann die Aromatherapie eine Unterstützung für ADHS und ADS Betroffene sein? Für Kinder und Erwachsene sind die folgenden Tipps im Alltag anwendbar. Einen Bereich der zu Dir / Euch passt heraussuchen und ausprobieren.

Die Bandbandreite vom Einsatz der ätherischen Öle sind vielfältig. Wichtig ist, dass das Kind wie auch die erwachsene Person den Duft und die Anwendungsform selber aussuchen kann.

Ätherische Öle können über verschiedene Mechanismen AD(H)S Betroffenen dazu verhelfen… 

• … besser einzuschlafen
• … Stimmungslagen wie Verstimmungen oder Angst auszubalancieren
• … den Umgang mit Stress zu optimieren («Stressmanagement»: Eu- statt Disstress)
• … bis zu einem gewissen Mass Hyperaktivität, Impulsivität, Aggressivität zu regulieren 

Auch das Immunsystem kann von der Anwendung von ätherischen Ölen profitieren. Viele ätherische Öle wirken immunmodulierend, stresssenkend und besitzen ein breites Wirkspektrum gegen Viren, Bakterien und Pilze. 

Natürliche ätherische Öle sind Vielstoffgemische und können an mehreren «Problemstellen» gleichzeitig eine Unterstützung bieten. So kann ein ätherisches Öl stimmungsaufhellend, konzentrationsfördernd, beruhigend sein und zudem das Immunsystem regulieren. 

Nachfolgend vier Bereiche genauer beschrieben:

1. Einschlafprobleme

Dieser vielfach untersuchte und in der Praxis bewährte Bereich kann klar hervorgehoben werden. Ob als Raumspray, als Duft-Teddybär, in der Duftlampe oder als Fussöl – ätherische Öle, richtig dosiert und angewendet, können helfen, schneller zur Ruhe zu kommen.

So hat ein Junge (ADHS und ASS Betroffen) mit einem Raumspray, natürlich mit seiner Mischung, selber am Abend sein Schlafzimmer eingesprüht. Oder eine andere Mutter hatte ein abendliches Fussöl mit ätherischen Ölen in das Abend-Ritual miteingebunden, was dazu führte, das Sie wie auch Ihre Tochter ruhiger waren.

2. Stimmungslage ausbalancieren, bei Distress etwas unternehmen können

Wie Stress auf ein Individuum wirkt, ist subjektiv und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Stress der von jemand «bewältigt» werden kann, wird «Eustress» genannt und hat besonders positive Auswirkungen auf unseren Körper und Psyche. Zum Beispiel wird die Immunabwehr gestärkt, das Gedächtnis verbessert, das Selbstwertgefühl gestärkt und macht glücklich, bei erfolgreicher Bewältigung. 

Stress der nicht bewältigt werden kann, wird «Distress» genannt und hat negative Folgen für den Körper, die Psyche und das Selbstwertgefühl. 

Tatsächlich wirken viele ätherische Öle balancierend, ausgleichend oder “in die Mitte” zurückbringend. Unter anderem wegen der Wirkung auf unser vegetative Nervensystem (Sympathikus – Parasympathikus), welches für die Balance von “Gefahr – weg hier”/ “Aktiv” und “Entspannen und Verdauuen”/”Passiv” verantwortlich ist.

Die ausgewogenere Situation hat weitere Auswirkung auf das Gedächtnis, die Stimmung, das Immunsystem usw.. Bei einigen AD(H)S Betroffenen sind die extremen Stimmungsschwankungen ein Thema: hier können ätherische Öle ansetzen. 

Ebenso, falls Distress ein Thema ist, können ätherische Öle helfen, den Stresslevel zu senken und in einer akuten Stresssituation etwas zur Hand zu haben: Selber reagieren können ist nicht zu unterschätzen. Viele Eltern schätzen es, dem Kind etwas mitgeben zu können, von dem Sie wissen, das es dem Kind hilft.

So hat ein Kind, welches sich in der Schule in Stress-auslösenden Situationen eingenässt hat, durch die Anwendung von einem Riechstift genug Sicherheit und Ruhe entwickelt, das dies nicht mehr vorkam.

3. Für uns Eltern – Agieren und Reagieren

Wir Eltern haben eine zusätzliche Möglichkeit, überall in unterschiedlichsten Situationen wie bei Schlaflosigkeit oder Angst agieren oder reagieren zu können.

Und als Mutter weiss ich auch, auch uns Mütter tut etwas beruhigendes und herunterfahrendes auch mal ganz gut.

Zudem kann die Eltern-Kind-Beziehung, zum Beispiel durch eine Einreibung am Abend, gefördert werden:

Bei Berührungen wie Umarmungen, Einreibungen oder Massagen wird unter anderem Oxytocin ausgeschüttet. Oxytocin, häufig auch als «Kuschel- oder Bindungshormon» beschrieben, wirkt stressreduzierend (und damit Immunsystem steigernd), verlangsamt die Atmung und den Herzschlag und führt zu einem angenehm entspannten Zustand. Zudem stärkt Oxytocin das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein.

4. Zum Lernen, für Prüfungen und die Konzentration

Ein Duft kann eine längst vergessene Erinnerung im Bruchteil einer Sekunde hervorrufen. Gerüche, Erinnerungen oder Lerninhalte werden miteinander abgespeichert. Dies zeigt sich auch durch die enge Verbindung zwischen der Amygdala und dem Hippocampus.

Es besteht eine Verbindung zwischen der Kognition, also den allgemeinen Denkprozessen, und dem olfaktorischen System.

Dies zeigt sich negativ, bei der Abnahme der Kognition und des Riechvermögens bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer.

Wobei «gesunde» alte Menschen genauso gut riechen können wie die Jungen. Das heisst, dass das Altern nicht zwingend zu einem Riechverlust führt, dem also entgegengewirkt werden könnte.

Während des Schlafens wird das gelernte entweder «vergessen» oder in unserem Langzeitgedächtnis abgespeichert. Wenn nun ein Geruch während dem Lernen verwendet wird, und während des Tiefschlafes derselbe Geruch -unbewusst- noch einmal gerochen wird, führt dies dazu, dass sich die Person am nächsten Tag besser an das Gelernte erinnert.

Ätherische Öle können also zum Lernen über verschiedene Mechanismen hilfreich sein: Als Motivationsmittel, als konzentrations- und stresssenkende Massnahme oder als Hilfe, um das Gelernte besser zu verankern. Im Alltag kann Verschiedenes ausprobiert werden: Hier geht es zum ganzen Blog-Artikel über ätherische Öle und Lernen.

Entspannt in gewohnter Umgebung durch den Duftkoffer riechen
Viele empfanden den Hausbesuch von mir als sehr angenehm. AD(H)S betroffene Kinder machten enthusiatisch mit beim riechen, beim mischen und beschriften. Wenn die Kinder die Nase voll hatten oder schnell eine Minuten durchlüften mussten, machten wir eine kurze Pause. Das Kind bestimmt das Tempo.

Auszug aus dem Anhang meiner Diplomarbeit „AD(H)S und ätherische Öle – Praktische Helfer im Alltag“

Ätherische Öle sind somit nicht die Lösung für jedes Problem von AD(H)S Betroffenen. Dennoch können und sollten ätherische Öle als berechtigte Möglichkeit im Alltag von AD(H)S Betroffenen ausprobiert werden. Denn ätherischen Öle können einen Teil dazu beitragen, dass AD(H)S-betroffene Kinder und Eltern ein «Werkzeug» mehr in der Hand haben, als praktischer Helfer im Alltag.

Bei AD(H)S können mehrere Bereiche im Stoffwechsel, Gehirn und bei den Hormonen betroffen sein, welche unter anderem durch Stress und Schlafmangel zusätzlich gefördert werden. Weiter beeinflusst sich vieles gegenseitig.

So kann ein Schlafmangel zu Disstress führen, genauso wie umgekehrt. Der Schlafmangel kann aber auch von den Vitaminen/ Mineralstoffen oder von den Hormonen/Neurotransmitter herkommen. 

Das Schöne ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, etwas zu tun. Gleichzeitig aber auch, wie wichtig ein «Multi-Therapie-Ansatz» im Alltag ist. 

Weitere Blog – Artikel:

Quelle: Diplomarbeit Sereina Binggeli, 2019 – alle Studien sind dort beschrieben

Schreibe einen Kommentar