10% der Pflanzen, die ätherische Öle enthalten, sind vom Aussterben bedroht. Was kann ich machen, um Nachhaltig mit ätherischen Ölen zu arbeiten?

Dir ist Nachhaltigkeit wichtig und du möchtest gerne herausfinden, wie du ätherische Öle anwenden kannst und gleichzeitig Nachhaltig bleibst?

Kelly Ablard spricht auf der ICAN Plattform über die nachhaltige Praktiken für Aromatherapeuten. Denn wir nehmen eine entscheidende Funktion ein, um die Biodiversität zu erhalten. Auf was können wir im Alltag achten und wie finden wir heraus, ob die ätherischen Öle, die ich verwende, gefährdet sind? 

Als „Gefährdet“ eingestuft (Stand Biannual-Liste Juli 2021) sind zum Beispiel das Sandelholz (Ost indisch; Santalum album), Rosenholz (Aniba rosaeodora) oder unterschiedliche Weihrauch-Arten (wie Boswellia carteri oder sacra). Die Narde (Nardostachys jatamansi) oder das Agarholz (Aquilaria rostrata) sind gar vom „Aussterben bedroht“.

Momentane Herausforderungen für die Biodiversität

Quelle ICAN Deep Dive mit Kelly Ablard, die Herausforderungen der heutigen Zeit

Die Biodiversität muss als Ganzes geschützt werden, denn alles hängt zusammen. Drei grosse Herausforderungen:

  1. Klimatische Veränderungen
    Die Veränderung unseres Klimas hat eine immense Auswirkung auf das Ökosystem. Auch auf die ätherischen Öle (als Endprodukt) hat dies einen Einfluss. Da sich die Pflanze an die gegebenen Standort-Bedingungen anpasst, führt dies zu einer Veränderung der sekundären Pflanzenstoffe, zu denen die ätherischen Öle zählen. Konkret bedeutet dies, das es möglich ist, das sich das chemischen Profil der ätherischen Öle unterschiedlicher Pflanzen ändern kann.
  1. Störung der Lebensräume
    Hierzu gehört die Lebensraum-Fragmentierung wie auch die Redukation/ Degration).
  1. Nicht nachhaltige Bewirtschaftung
    Hierunter fallen die nicht korrekte Beschriftung der Spezien, der Mangel an genetischer Vielfalt (welches wiederum eine Auswirkung auf die sekundären Pflanzenstoffe hat) wie auch die fehlende Regenerationsmöglichkeit bei nicht nachhaltiger Bewirtschaftung (Beispiel kompletter Abholzung).

Wir können zusammen diesen ganz wichtigen Aspekt der Bildung und Sensibilisierung über dieses wichtige Thema übernehmen, und andere darin Schulen, bedacht mit ätherischen Ölen umzugehen.

Nachhaltig mit ätherischen Ölen arbeiten: 5 Schritte zu mehr Bewusstsein

Nachfolgend 5 Schritte, die einen Aspekt der Nachhaltikeit beschreibt: der Umgang mit „gefährdeten“ ätherischen Ölen in deinem Öl-Koffer.

Schritt 1. Kenne wichtige Anlaufstellen, um dich über den Schutzstatus von ätherischen Öl liefernden Pflanzen informieren zu können

Das Airmid Institute setzt sich für den Schutz von Medizinal und aromatischen Pflanzen (hierzu gehören ätherische Öl haltige Pflanzen wie eben Rosenholz oder Weihrauch) ein. Sie erstellen unter anderem halb jährlich die Biannual Liste. Alle ätherischen Öl haltigen Pflanzen werden aufgezeigt, die nach der IUCN Red List und der LITES Liste als vom „Aussterben bedroht„, „stark gefährdet„, „gefährdet“ oder „potentiell gefährdet“ eingestuft werden.

ARTHES, gemeinnütziger Verein für die professionelle Aromatherapie und -pflege Schweiz, übersetzt die englische Liste auf Deutsch. Informiere dich über die Website, den ARTHES Newsletter oder über Facebook über die Biannual Liste. Die Liste wird halb Jährlich erneuert.

ARTHES setzt sich für die sichere Anwendung von ätherischen Ölen und Hydrolaten ein.

Jeder kann Mitglied werden.

Die Biannual Liste

Der erste Schritt haben wir hinter uns. Nun, wie weiter?

Schritt 2. Arbeite mit vertrauenswürdigen Firmen, welche das Thema der Nachhaltigkeit angehen

Setzte dich mit der Firma auseinander, mit der du zusammenarbeiten möchtest. Frage nach, wenn du Fragen hast. Hier ein paar Gedankenanregungen für dich:

  • Wird das ätherische Öl aus kultivierten oder mit wild wachsenden Pflanzen hergestellt: Thema nachhaltiges Ernten und Regenerationsmöglichkeit vor Ort?
  • Ernte und Gewinnung: Sind es nachhaltige Ernte – Methoden, wie ist die Gesundheit der Pflanze vor Ort, wo ist der Standort, Koordination von allem – ist die Bevölkerung miteingebunden, usw.?
  • Qualitäts-Kontrollen – Welche Spezies oder Pflanzenteile wurde verwendet, Reinheit? Ist es eine von der Firma selber erstellten Qualität? Sagt diese was aus oder ist es nur Marketing-Technisch schön dargestellt?
  • Rückverfolgbarkeit gegeben?– Lieferkette
  • Transparenz der Firma – Genehmigungen, Analysen, beantwortet die Firmen alle Fragen?

Firmen aus der Schweiz findest du hier auf der ARTHES Homepage als Übersicht. 

Bild von Naturalness, eine portugiesische Firma, welche sehr stark auf die Nachhaltigkeit ihrer öle achtet.

Schritt 3. Kenne deine ätherischen Öle

Die ätherischen Öle in deinem Koffer solltest du alle kennen. Nicht nur von der Chemie her, der Botanik und wie du es anwenden kannst – sondern auch woher es kommt und wie der Schutzstatus aussieht. Besonders bei jenen, welche auf der Biannual Liste stehen, sollte noch genauer hingesehen werden. 

Hier findest du eine Checkliste mit ein paar Punkten, die du anschauen kannst. 

  • Den Schutz-Status. Entweder direkt bei der IUCN, beim Airmid Institute die Biannual Liste (englisch), oder die übersetzte Biannual Liste über ARTHES (Deutsch)
  • Den Status des Handels – über CITES
  • Die Herkunft – Global, Regional, Lokal gehandelt? 
  • Welche Pflanzenteile werden verwendet? Z.b. Holz, Früchte, Äste, Wurzeln, Blätter, usw.. Beachten das für ein Wurzel und Holzöl der Baum gefällt werden muss. Gibt es eine Möglichkeit für die Verwendung eines anderen Pflanzenteiles oder eine Alternative? Hier wiederum auf die chemische Zusammensetzung denken, die nicht gleich wie das „Holz“-öl sein muss.

Du hast dich nun mit einem ätherischen Öl befasst und findest heraus, dass dieses stark gefährdet ist. Was hast du für Möglichkeiten?

Schritt 4. Auswahl von einem alternativen ätherischen Öl – Wie gehe ich vor?

Du hast schon gute Erfolge mit einem deiner ätherischen Öle gemacht und dennoch ist es gefährdet. Und jetzt?

Variante A. Natürlich kannst du mit dem ätherischen Öl sehr sorgfältig und sehr bewusst weiterarbeiten. Nach dem Motto von Kelly Ablard:
„Wir sollten nun aber nicht aufhören, ätherische Öle von gefährdeten Arten zu verwenden. 
Sondern lernen, dies Nachhaltig zu tun.“ 

Warum und wieso sie dies in einem Interview gesagt hast, erfährt du wenn du hier klickst.

Variante B. Oder du entscheidest dich, eine Alternative zu suchen. Wie du Vorgehen kannst, gehen wir nun durch:

Schaue dir das ätherische Öl an, welches du ersetzten möchtest und schreibe die für dich wichtige Eckpunkte auf. 

Wichtig: Du kannst dabei die jenen für DICH wichtigen Punkte herausnehmen oder hinzufügen. Als Beispiel: Wenn ich eine Duftmischung nach dem Duft zusammensetzte, schaue ich besonders nach einem ähnlichen Duft. Wenn ich eine Mischung aufgrund des chemischen Profils zusammensetzte, schaue ich besonders auf die Chemie, usw.

Hier ein paar Anregungen zum Starten:

  • Schutz– Status
  • Verwendungszweck (Therapeutisch, Duftprofil oder beides)
  • Verwendete Pflanzenteil und die Herstellungsart
  • Wirkungen
  • Bioaktive Inhaltsstoffe 
    • Chemie
    • Was gibt es für Studien bezüglich der ganzen Pflanze, welche von den einzelnen Inhaltsstoffen?
  • Duftprofil
  • Sicherheit / Nebenwirkungen oder Kontraindikationen

Hier am Beispiel vom Sandelholz, wie dies aussehen könnte. Die Informationen wurden von denen im Vortrag von Kelly Ablard übernommen. Ausnahme bilden die „Wirkungen“, die aus anderen Fachbüchern ergänzt wurden.

Sandelholzöl (Santalum album) ost-indisch

Aufgrund von den Gründen der Überernte, nicht nachhaltige Bewirtschaftung, Landwirtschaft und Feuer hat Santalum album den Status „gefährdet“. Der süss-holzige Duft wird im Buch von Monika Werner und Ruth von Braunschweig mit der Eigenschaft „für Seelenfrieden und Ausstrahlung“ beschrieben.

Quelle: PubChem & Eliane Zimmermann, Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe

Je nach Verwendungszweck würdest du nun entweder mit dem Duftprofil weitersuchen oder mit den Inhaltstoffen. Vielleicht gibt es sogar ein ätherisches Öl, das beidem gleichzeitig Nahe kommt. 

Da das neukaledonische Sandelholz (Santalum austrocaledonicum) auch schon als „potentiell gefährdet“ auf der Biannual Liste steht, nehmen wir hier als Alternative Santalum spicatum:

Santalum spicatum enthält also weniger Santalol, dafür mehr alpha-Bisabolol und Nuciferol.

*Hinweis zu den «Wirkungen und Wirkung als isolierter Stoff»: Bitte beachten das viele Studien in vitro (in einer Petrischale) oder in vivo (mit Tieren) durchgeführt werden. Es gibt Studien mit der Anwendung von ätherischen Ölen direkt am Menschen bei diversen Themen, jedoch ist dies die Minderheit. Lasse dich von einer Fachperson beraten. So liefert ein Aromatogramm wichtige Informationen, man muss aber wissen was mit der information anzufangen ist, sonst nützt es nichts.

Zweites Beispiel: Rosenholz (Aniba rosaeodora) –  Rosenholzöl

Das Rosenholz ist ein bekanntest Beispiel von nicht nachhaltigem Abholzen von Altbäumen mit gleichzeitig keiner Anzeichen von Verjüngung. Das Airmid Institute hat das Toucan Project und die „Rosewood Oil Study“ ins Leben gerufen – hier klicken um mehr darüber zu lesen.

Ausflug in die Chemie: Die Linalool Isomere

Linalool (Linalylalkohol), ist ein Monoterpenalkohol, welches in sehr vielen ätherischen Ölen und Hydrolaten drin ist.

Vom Linalool gibt es zwei optische Isomere (das sind diejene, die wie unsere Hände sind – Spiegelverkehrt)- das rechts- und linksdrehende. In den meisten Fällen kommen beide Isomere im ätherischen Öl/Hydrolat vor, einfach in unterschiedlichen Mengen. Sehr selten ist nur ein Isomer enthalten, zum Beispiel Nepeta cataria enthält nur (+)-Linalool oder Ocimum basilicum nur (-)-Linalool.

(3R)-(-)-Linalool (Licareol) 

Dieses Isomer ist unter anderem im Rosenholz (aus dem Kernholz) oder im Lavendel mehr vorhanden. Licareol wirkt stärker entzündungshemmend und anti-nozizeptiv wie Coriandrol. Ebenso ist bekannt, dass es sedativ wirkt und die Herzfrequenz von gestressten Menschen senkt.

– (3S)-(+)-Linalool (Coriandrol)

Wie der Name schon sagt, ist dieses Isomer besonders im Korianderöl (Coriandrum sativum, nur das Samenöl) aber auch im Rosenholzöl aus den Blättern stärker vorhanden. Spannend ist, dass die Forschung zeigt, dass es nicht sedativ wirkt – ebenso wenig wie anregend. Gerade in einem ICAN Chat mit Aromatherapeuten von überall auf der Welt, zeigte sich die  Erfahrung, das Korianderöl sehr stark die Homöostase wieder herstellt. Was ist Deine Erfahrung zum Korianderöl? 

Zurück, um unsere Alternative zum Rosenholz zu finden.

Anstelle von Rosenholz wird häufig Linaloeholz (Bursera delpechiana) empfohlen. Da das ätherische Öl aber auch aus dem Holz gewonnen wird, und somit der Baum dafür gefällt werden muss, wenden wir uns mal anderen Möglichkeiten zu. (Es gibt aber auch das ätherische Öl aus den beerenartigen kleinen Früchten vom Baum „Linaloebeere“, welche unter anderem aus Linalool und Linalylacetat besteht).

Du hast ein Rosenholzöl, welches aus den Blättern gewonnen wurde und möchtest das chemische Profil möglichst treffen? Dann würdest du dich für Korianderöl entscheiden, da es mehr vom gleichen Linalool-Isomer enthält. 

Eher dem Rosenholzöl von der Isomerie her, dann wäre das ätherische Öl des Ho-Öl (Cinnamomum camphora ct. linalool aus den Blättern, Achtung: hat nichts zu tun mit dem POH-Öl- achtet auf den lateinischen Namen!), welches schon sehr bekannt ist als «Rosenholz-Ersatz».

An der Arbeit, sich mit den ätherischen Ölen auseinanderzusetzten führt nichts vorbei. Jedoch ist es nicht genau das, was spannend für uns ist?

Schritt 5. Verwende die ätherischen Öle mit Sorgfalt und Fachwissen

Nachhaltigkeit ist ein sehr grosses Thema in sich, mit sehr vielen unterschiedlichen Facetten. In diesem Blog Artikel geht es um die Beschaffung und das Finden einer Alternative. 

Andere Aspekte wären das bewusste Verwenden der ätherischen Öle (Thema Dosierung und  wo im Alltag überhaupt anwenden – müssen ätherische Öle omnipräsent sein?), das bewusste aussuchen der Firma, mit der zusammengearbeitet wird (vom Anbau bis hin zur Verarbeitung) und und und….

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Rundum zusammengefasst – was tun?

  • Bei ARTHES über die Biannual Liste informieren oder direct beim Airmid Institute
  • Nachgehen was für Pflanzen verwendet werden und woher diese kommen
  • Den Schutzstatus nachsehen
  • Evtl. Ein Analog, eine Alternative finden oder noch bewusster mit den ätherischen Ölen arbeiten

Wo kann ich mich informieren über die Informationen die ich brauche?

  • Melde dich hier bei meinem Newsletter an
  • Für die deutsche Biannual Liste ARTHES auf dem Newsletter oder auf Facebook folgen
  • Für die original englische Liste beim AIRMID Institute
  • Gute Fach-Bücher wie das von Eliane Zimmermann
  • oder Aromatherapie Datenbanken wie die von Aromainfo (mehr Anwendung) oder Drospmith (mehr Chemie)
  • Dein Lieferant an ätherischen Ölen sollte dir Auskunft geben können u.a. über die GC-Analyse, was für Inhaltstoffe in diesem Öl enthalten sind
  • Direkt durch die Datenbanken von IUCN oder CITES forschen (öffentlich)

Erzähle uns deine Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit

Dieser Artikel kam Zustande nach dem ICAN Deep Dive Aroma with Kelly Ablard. Die ICAN Plattform (International Clinical Aromatherapist Network) ist eine Plattform, welche den internationalen Austausch unter Aromatherapeuten ermöglicht. ARTHES ist dabei für eine weltweite Vernetzung und Wissensaustausch.

Ich persönlich mache einen Mittelweg. So arbeite ich mit einem Sandelholzöl aus Australien in meinem Duftkoffer, habe aber ebenso Alternative zur Hand wie Ho-Blätter oder das Korianderöl. Ich kaufe mein Sandelholzöl (Santalum spicatum) bei der Firma Florentia ein. Es gibt weitere gute Firmen in der Schweiz, welche ich kenne: Schaut auf der ARTHES Seite nach.

Was sind für dich wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit? Schreibe es in den Kommentar.

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Quellen:

  • Hauptquelle: ICAN Deep Dive mit Kelly Ablard, September 2021
  • Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, Eliane Zimmermann, 6. Auflage 2018
  • Handbook of Essential Oils – Science, Technology and Application, K. Hüsnü can Baser, Gerhard Buchbauer, 3rd Edition 2021

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