Sensorische Fähigkeiten von Pferden und ihre Bedeutung für die Reitsportwissenschaft

Die 5 Sinne der Pferde und wie sich diese von den unseren unterscheiden

Dies ist eine Zusammenfassung und deutsche Übersetzung des Reviews „Sensory Abilities of horses and their importance for equitation science“. Publiziert im frontiers in Veterinary Science am 9.9.2020. Die Arbeit wurde von Maria Rørvang, Birte L. Nielsen und Andrew Neil McLean geschrieben.

Ich persönlich liebe es, mich durch spannende Studien und Reviews durchzulesen. Da es nicht immer allen so geht, habe ich einen eigenen Blog-Post für all diese wertvoll zusammengefasste Arbeit der Autoren gemacht. Eine leichte Kost ist es nicht – die Original Arbeit umfasst 17 Seiten -, in den jeweiligen Kästchen habe ich ein paar Punkte jeweils herausgenommen.

Hier klicken um das Original Englische Review zu lesen (open access). Die Quellen zu den einzelnen erwähnten Studien findet ihr in der Originalarbeit.

Um was geht es?

Ein Review ist einfach gesagt eine Zusammenfassung von gemachten Studien rund um ein Thema. Es zeigt auf, was der momentane Wissenstand auf diesem Gebiet ist und was überhaupt erforscht wurde. Dieses Review geht darum, was der Stand der Dinge ist bezüglich der Sinne der Pferde: also Hören, Sehen, Riechen, Geschmack und Fühlen/ Tasten.

Grundsätzlich: Pferde nehmen die Umgebung anders war als wir Menschen. Zwar mit den gleichen 5 Sinnen, aber in unterschiedlichen Reichweiten und Schärfen. Zudem zeigt sich, das es bevorzugte sensorische Lateralitäten gibt und unterschiedliche „Sinnes Typen“: Pferde die eine höhere auditive, gustatorisch-olfaktorische (riechen), visuelle oder taktile (Berührung) Sensibilität haben. Obwohl nicht viele, besonders gross-angelegte Studien rund um die Sinne der Pferde existieren, verstehen wir immer wie mehr und können die Information (hoffentlich) für das Wohl der Pferde lernen einzusetzten.

Warum ist es wichtig, das wir mehr darüber zu erfahren, wie ein Pferd die Welt durch seine 5 Sinne wahrnimmt? So verstehen wir besser, was das Pferd wahrnimmt und wie dies einen Einfluss auf sein Verhalten hat.

Gehen wir auf die Reise, was die Wissenschaft heute über die 5 Sinne bei Pferden wissen. Falls ich weiteren Studien oder Informationen einfliesse lasse, verlinke ich jeweils auf die Seiten, sodass du selber mehr darüber lesen kannst.

Der erste Sinn: Das Sehen

Das Pferd als Fluchttier ist stark darauf ausgelegt, Feinde möglichst schnell zu erkennen. Zusammengefasst sind folgende Punkte „anders“ als beim Mensch:

  • 360 Grad Panorama Blick, v.a. horizontal Ausrichtung (respektive auf den Horizont ausgerichtet)
  • Beide Augen werden seperat vom Gehirn verarbeitet – bei mit dem linken Auge betrachteten Objekten reagiert das Pferd reaktiver, als wenn er es mit dem rechten Auge betrachtet
  • Scharf sehen ist nur direkt vor dem Pferd mit beiden Augen möglich
  • Sieht kein Rot
  • Sieht im Dunkeln

Der grösste Teil der Studien wurde zu Farbsehen, Tiefenwahrnehmung und der Sehschärfe durchgeführt. Es ist auch gleichzeitig der am meisten Untersuchte Sinn.

Das Pferd hat einen Panorama Blick. Durch das Sehfeld mit den Augen seitlich am Kopf und durch den Sehstreifen (anstelle der zentralen Sehgrube, Ort des schärfsten Sehens, bei uns Menschen), wird es ihnen ermöglicht, besonders den Horizont gleichmässig zu sehen. So ist die Schärfe weniger auf unten und oben ausgelegt, da ein Greifvogel zum Beispiel weniger eine Gefahr für sie darstellen als ein Raubtier, welches sich am Horizont bewegt.

Das Sehfeld: Pferde können praktisch 360° sehen, mit einem kleinen toten Winkel hinter dem Pferd (siehe Bild). Mit einem Auge (monokulare Kapazität) sieht es 228°, der Bereich, welcher mit beiden Augen (binocular) angesehen wird, liegt nur bis maximal 65° direkt vor dem dem Pferd. Als Vergleich: Der Mensch schaut binocular mit beiden Augen mit einem Sehfeld von 120°.

Die seperate Verarbeitung: Die Bilder werden von beiden Augen seperat verarbeitet. Das linke Auge ist dabei mit der rechten Hirnhälfte, das rechte Auge mit der linken Hirnhälfte verknüpft. Ein sehr spannender Bereich der Forschung befasst sich mit der visuellen Lateralität. Wie Pferde besonders bei emotionalen Themen das linke Auge bevorzugen, wie wenn sie Menschen beobachten oder auch mit dem linken Auge mehr reaktiv und mit Angst reagieren. (Hier werden momentane Unklarheiten dazu beschrieben.)

Sehschärfe: Pferde haben eine schlechte Sehschärfe wegen der geringen Dichte von Zäpfchen in der Netzhaut. Jedoch im Bereich, welcher sie mit beiden Augen sehen (im biokularen Bereich – vorne am Kopf) haben sie die Fähigkeit, in die Tiefe und 3-Dimensional zu sehen. Wenn Pferde also etwas genauer anschauen möchten, probieren sie, dies in ihr „scharfes“ Gesichtsfeld zu bekommen. (Wenn ein Pferd auf einem Auge blind ist, entfällt dieser Bereich.)

Quelle: Jost et al. 2019; wobei bei der Grafik des Pferdes den toten Bereich unter der Nase fehlt (etwa 50-80cm)
Quelle: Die Welt aus der Sicht des Pferdes, 2013; wobei die „volle Sicht“ sehr stark beim oberen Bild sehr stark von der Kopfhaltung abhängig ist.

Das Nachtsehen. Pferde können bei sehr geringen Licht-Konditionen immer noch sehr gut sehen. Da Predatoren in der Wildnis häufig auch Nachts unterwegs sind, ist dies eigentlich sehr Sinnvoll, in der Dunkelheit gut sehen zu können. (Die Anpassung zwischen Hell und Dunkel geschieht jedoch langsamer als bei uns Menschen. Daher haben Pferde Mühe, schnell von hell zu dunkel oder umgekehrt zu wechseln. Anmerkung von mir)

Farbsicht. Pferde können Farbig sehen, aber kein Rot (siehe Abbildung links).

Dies ist unter anderem sehr wichtig für Sprünge, wenn die Farben für die Hindernisse gewählt werden. Wie blenden sich die Farben mit der Umgebung ein? Gibt es eine optische Illusion oder sieht alles gleich aus für das Pferd?

Besonders blaue Hindernisse wurden besser entdeckt als grüne, aufgrund der grünen Wiese. Sie fanden auch heraus, das je nach Farbe der Sprünge die Pferde unterschiedlich absprungen bezüglich des Winkels und der Distanzu zum Hinderniss.

Quelle vom Bild: Jost et al. 2019

Was dies im Alltag für einen Einfluss hat: Die Kopf und Halsstellung ist essentiell für den Sehbereich für Pferde. Das Sehen ist in unterschiedlichen Bereichen wichtig. Unter anderem im Spring-Reiten ist essentiell in welchen Farben die Hindernisse sind. Je nachdem ist der Parcour für ein Pferd um einiges schwieriger gestaltet als für unser Auge sichtbar. Wenn rote Stangen im grauen Sand liegt, kann das Pferd die Stange schlecht vom Hintergrund unterscheiden. Wie frei das Pferd seinen Kopf bewegen kann, um ein Hinderniss fokussieren zu können, wäre ein weiterer wichtiger Aspekt, welcher beim Reiten beachtet werden sollte.

Spannend finde ich auch eine Arbeit, welche die Lichtverhältnisse im Stall anschaut – also die LED- Beleuchtung in der Pferdehaltung (hier klicken).

Der zweite Sinn: Das Hören

Zusammengefasst ein paar Punkte:

  • Frequenzbereich: 50 Hz (der tiefste Bereich Menschen noch hören können liegt bei 20 Hz), bei den höheren Frequenzen: 33 kHz (Menschen 20 kHz) = Pferde hören gewisse Frequenzbereiche mehr als wir. Wenn wir noch nichts hören, können sie schon auf etwas reagieren
  • Im Alter kann das Hörvermögen abnehmen.
  • Musik könnte beruhigend eingesetzt werden bei Stress, wohingegen Lärm Stress Reaktionen hervorrufen kann

Durch die Ohrform wird das Hörvermögen gesteigert. Pferde verfügen nur über ein begrenztes Gehör für tiefe Frequenzen, dafür aber ein gutes Hörvermögen in den höheren Frequenzbereichen.

Das hochfrequente Gehör ist bei Pferden zweifellos anpassungsfähig und vermittelt dem Pferd wahrscheinlich wichtige Informationen, u. a. über das schleichende Vorrücken von Raubtieren.“

Wie schon bei der visuellen Lateralität zeigt sich auch die auditäre Lateralität. Das heisst, ein Ohr wird mehr zu einem Ton zugewendet als das andere. So wurde vermehrt das rechte Ohr (=linke Gehirnhemisphäre) dem Rufen vertrauter Nachbarsrufen zugewendet. Bei Herdenmitglieder oder Fremdenrufe gab es keine Präferenz.

Wenn ein Pferd eine für ihn vertraute Person sieht, aber der Ton dazu nicht stimmt (z.B. von einem Tonband abgespielt), so blickten Pferde schneller auf und schauten die Person länger an. Sie können also die auditären mit dem visuellen Inputs an eine Person wie auch an Artgenossen verknüpfen (engl. „cross-modal recognition of known individuals“). Auch wenn das Pferd dann die Person nicht sehen kann, aber hören, so wird es die Person trotzdem erkennen. Was leider bei diesen Studien nicht berücksichtigt wurde, ist, wieviel das Riechen hier hineinspielt.

Hörschädigungen & -minderung im Alter: Es gibt nur eine Studie, welche die Auswirkung vom Alter auf das Hören untersucht hat. Die Studie kam zum Schluss, das ältere Pferde (15-18 Jahren alt) auf Geräusche weniger Verhaltensreaktionen zeigten als jüngere Pferde (5-9 Jahre alt). Die Feststellung, ob das Hörvermögen mit dem Alter abnimmt ist schwierig festzustellen – ein Pferdehalter sollte sich aber bewusst sein, dass das Hörvermögen abnehmen kann mit fortschreitendem Alter. Hier kommt es noch darauf an, ob eher die tiefen (Kommunikation mit ihren Artgenossen) oder höheren Frequenztöne (Menschen die mit dem Pferd sprechen) betroffen sind.

Es wurde zudem festgestellt, das bei einigen Pferderassen und einem gewisse Fellfarbmuster ein höheres Risiko besteht, um Taubheit zu entwickeln. Es wurden insbesondere Paint Horses untersucht. Grundsätzlich scheinen Paint Horses mit ausgedehnten Kopf- und Gliedmassenmarkierungen und solche mit blauen Augen besonders gefährdet zu sein. Hier einige Muster, die mit erhöhtem Risiko verknüpft wurden:

Abbildung in Rorvang et al
Quelle: https://blog.equisense.com/de/5-sinne-pferd/

Die Auswirkung von Lärm. Lärm, besonders lauter, kann Stress reaktionen hervorrufen in Bauernhoftieren (die Studien wurden mit Schweinen und Rindern gemacht). Anhaltender Lärm kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Wie Musik im Stall sich auf die Pferde auswirkt, wurde nur in wenigen Studien untersucht. Klassische Musik reduziere dabei die Intensität von Stress Reaktionen bei entweder einem kurzen Transport oder bei einer Hufschmied-Behandlung.

Eine andere Studie fand eine positive Wirkung (nicht näher beschrieben für was die positive Wirkung steht) bei Arabischen Rennpferden, welche 5 Stunden am Tag die instrumentale Gitarren Musik geniessen konnten. Nach drei Monate nahm der positive Effekt aber ab. In einer anderen Studie hatten sie ebenfalls mit der Gitarrenmusik Erfolg bei 3 Stunden am Tag – mehr als wenn die Pferde 1 Stunde am Tag die Musik hörten. Die Studien verglichen dabei aber immer nur die „Stille“ mit der „Gitarrenmusik“. Die Autoren bemerken, das die Musik vielleicht andere Töne wie „zuschlagen von Stalltüren“ oder „Maschinen“ übertönen, und nur schon dadurch Stressmildernd wirken. Solche Töne können auch schon als Stressoren wirken.

Die Autoren machen noch einen Hinweis zu den Ultraschall Insekten-, Nagetier oder Schlangenfallen, die z.T. angewendet werden. Die Frequenz ist im Hörbereich der Pferde und es sollten in Zukunft Studien gemacht werden, um eine negative Auswirkung auf die Pferde ausschliessen zu können.

Der dritte Sinn: das Riechen

Mein Lieblings-Sinn: Das Riechen. Leider ein Bereich, in dem sehr wenig Forschung vorhanden ist. Hier eine kurze Zusammenfassung vom Text:

  • Die Flehmenreaktion brauchen die Pferde auch zur Analyse von Molekülen
  • Pferde haben einen hochentwickelten Geruchssinn, unter anderem um Artgenossen zu erkennen
  • Unsere „duftende Ausstrahlung“ kann eine Wirkung beim Pferd hervorrufen

Vomeronasales Organ – warum Pferde Flehmen: Dieser Teil der Arbeit muss ich einfach kopieren. Vielfach kennen die Menschen das Flehmen von einem Hengst, welcher eine Stute riecht, respektive die Pheromone. In meinen Aromatherapie Sitzungen kommt es aber auch häufig vor, dass das Pferd flehmt. Einmal kam ich nach einer Sitzung aus dem Stall, und ein fremdes Pferd blieb am Eingang stehen und fing an zu flehmen – die verblüffte Pferdebesitzerin meinte nur, ihr Pferd braucht wohl auch eine Sitzung. 🙂

„Wenn ein Pferd mit einer Substanz von Interesse in Kontakt kommt, aktivieren die damit verbundenen Moleküle das Vomeronasal-Organ, das eine Flehmenreaktion auslöst… Der adaptive Vorteil der Flehmenreaktion besteht darin, dass das Pferd dadurch schwer flüchtige Verbindungen mit weitaus größerer Genauigkeit analysieren kann. Während der Flehmenreaktion sind die Nüstern verschlossen, wodurch der Luftaustritt verringert und der Luftdruck in der Nasenhöhle erhöht wird. Dadurch können die Moleküle der Verbindungen durch das Vomerosalorgan nachgewiesen werden.

Nur eine Handvoll Studien untersuchten den Geruchssinn, meist mit dem Fokus der Reproduktion oder der sozialen Wiedererkennung. So können Pferde ihre Artgenossen durch ihren Körpergeruch, Urin- und Kotgeruch wiedererkennen.

Es wurden Haarproben von unterschiedlichen Pferden untersucht und dabei haben sie herausgefunden, das jedes Pferd seinen eigenen Geruch hatte. Somit hinterlässt das Pferd auch beim Menschen eine Duftspur. Dies sollte besonders dort beachtet werden, wenn jemand mit mehreren Pferden an einem Tag zu tun hat. Jedes Pferd wird an den Kleider, an den Händen oder an der Ausrüsten eine Duftspur hinterlassen – und diese kann wiederum eine Auswirkung auf das nächste Pferd haben, welcher seine Artgenossen wiedererkennt und darauf reagieren kann.

Im Review gehen sie nur ganz kurz auf die Geruchskonditionierung und die Geruchsprägung ein.

Störende Gerüche: Die bekannteste, angeborene (=nicht erlernte) Reaktionen von Säugetieren auf einen Geruch ist das Vermeiden oder die Flucht vor dem Geruch eines Raubtieres. Auch dann, wenn das Säugetiere seit Generationen keinen Kontakt mehr hatten mit dem Raubtier.

Es gibt einige Studien, welche eine Erhöhung der Herzfrequenz festgestellt haben, wenn das Pferd von einer nervösen oder negativ denkenden Person geritten wurde. (Studien bei Menschen zeigten schon, das unsere Emotionen jeweils eine gewisse Ausdünstung zur Folge hatte – besonders wenn diese mit Angst verursacht wurden. Wobei hier auch die Körperhaltung, subtile Bewegungen, usw. der Person sicherlich ebenfalls miteinwirken.) Eine andere Studien hatte eine gegenteiliges Resultat: dass das Pferd ruhiger war mit einem nervösen Menschen. Im Review greifen sie diese anhand der Rassenunterschiede auf, da einige Studien Warmblütler eingesetzt haben, andere wiederum Kaltblütler.

Da Menschen ihren Körpergeruch in unserer Gesellschaft meist überdecken mit Shampoo, Bodylotion, Parfüms, usw., hat das Pferd evtl. Schwierigkeiten, den Menschen anhand ihres Körpergeruchs zu bestimmen.

Der vierte Sinn: der Geschmack

Zusammengefasst sind folgende Punkte „anders“ als beim Mensch:

  • Leicht anderes Geschmackserlebniss (nicht retronasal wie bei Menschen)

Von mir kurz als Einleitung: Geschmack betrifft eigentlich die Wahrnehmung süss, sauer, bitter, salzig und umami. In unserem Sprachgebrauch mischen wir oftmals das „Schmecken“ und das „Riechen“, welches zusammen den Geschmack, das Aroma vom Essen gibt. Wir können das „Erdbeer“-Aroma nur über den Rachenraum -> Riechepithel -> Gehirn „Erdbeere“ (Retronasales Riechen) wahrnehmen.

Pferde riechen im Gegensatz zu uns hauptsächlich durch ihre Nüstern (nicht über den Rachenraum). Dies führt höchstwahrscheinlich zu einem anderen Geschmackserlebnis wie wir. Wobei durch das Essen Duftmoleküle aus dem Maul in die Nüstern kommt und dort der Geruch wahrgenommen wird. Der Geschmack Umami wurde bei Pferden noch nicht festgestellt. Individuelle Pferde reagieren anders sensibel auf unterschiedliche Geschmäcker (hier können viele Pferdebesitzer wohl mitfühlen, wenn sie ein wählerisches Pferd haben).

Der fünfte Sinn: Taktile Wahrnehmung

Zusammengefasst vom Text:

  • Als taktile sensibles Tier könnte die taktile Stimulation durch Berührung als positive Verstärkung genutzt werden oder durch Massagen Stress reduzieren
  • Die taktile Sensibilität kann sehr Individuell sein, evtl. je nach Fellfarbe oder Pferde, welche Stereotypien entwickeln

Die Haut ist das grösste Sinnesorgan. Das Pferd ist ein „taktil sensibles Tier“ (tactile sensitive animal) und durch diese taktile Stimulation ist das Pferd und der Reiter in ständiger Kommunikation miteinander. Es wird dabei angenommen, das die Empfindlichkeit der Haut, aufgrund der unterschiedlichen Verteilung der sensorischen Nervenrezeptoren, über den gesamten Körper des Pferdes variiert. Am empfindlichsten gelten folgende Bereiche: Maul, Hals, Widerrist, Kronband, Schultern, die untere Flanke und die Rückseite der Fessel.

Am Rumpf haben Pferde eine viel dickere Epidermis im Unterschied zu kleineren Tierarten. Im Gesicht ist die Epidermis dünner, hier ist der Unterschied von den Haarfollikeln nicht nur dadurch, dass sie dicker sind, sondern auch dadurch, dass sie sich nicht häuten und eine stärkere Enervation aufweisen. Darum zählen diese zu den Sinnesorgane und sollte nicht entfernt werden. Im Review wird auf die vielfach zu engen Nasenbänder hingewiesen und die Folgen davon.

Unter Pferdeleuten wird angenommen, das gewisse Fellfarben mit grösserer Hautsensitivität einhergeht. Hierzu gibt es keine Studien. Es gibt nur eine Stude, welche tatsächlich beobachtet hatben, das Mäuse mit einem roten Fell eine höhere Schmerzempfindlichkeit aufwiesen.

Positive Taktile Stimulation zum Beispiel durch die gegenseitige Fell-Pflege entweder von zwei Pferden oder Mensch-Pferd. Eine Studie fand ein bestimmtes Areal am Widderist des PFerdes, welches dazu führte, das die Herzfrequenz sank, welches auf eine entspannende Wirkung hindeutet. Die gleiche Studie beschrieb auch, das dies nicht geschah, wenn an den Schultern gebürstet wurde. Eine weitere Studie bestätigte die beruhigende Wirkung vom „Bürsten“ (keine klare übersetztung für „Grooming“, welches Fellpflege wie auch bürsten heissen kann. Die Frage eröffnet sich mir, ob dies mit der Hand oder einem Striegel durchgeführt wurde.), als das gesattelte Pferd am Widerist wie auch an den Schultern und Hüfte. Es wäre spannend, wenn mehr Studien sich mit den positiven taktilen Stimuli auseinandersetzen würde. Des weiteren wird eine Studie beschrieben, bei welchem Fohlen sehr leicht abzulenken waren, wenn rund um die Schweifregion gekratzt wurde. Auf diesen Impuls heben sie ihren Schweif und lehnten sich gegen den Menschen.

Wenn die taktile Stimulation richtig angewendet wird, kann sie als positives Verstärkung eingesetzt werden, zum Beispiel um die Futtermenge für den selben Zweck zu reduzieren. Dabei muss beachtet werden, ob die taktile Stimulation als Verstärkung jeweils individuelle, motivationsbedingte und zeitliche Variation aufweist oder nicht. Weiter können hier die jüngsten Erkenntnise zur sensorischen Lateralität hineinbezogen werden. In partnerschaftlichen Situationen, wie der gegenseitige Fellpflege, Fliegen füreinander verjagen, nahe beianander stehen während dem Grasen oder beim Ausruhen, so zeigten sich eine signifikante Lateralität vom linken Auge. Vielleicht trägt diese Erkenntnis dazu bei, ob das Pferd bestimmte taktile Stimulation als positiv empfindet.

Die Massage wäre eine weitere taktile Stimulation. Es gibt ein paar Studien, die zeigen, das eine tägliche Massage zu einem grösseren Wohlbefinden führt – in unterschiedlichen Tierarten. Als Neurotransmitter ist hier besonders Oxytoxin (das „Kuschelhormon“) genannt, welches ausgeschüttet wird. Massagen können also auch als Stress senkende Massnahme eingesetzt werden in unterschiedlichen Sportbereichen (die Studien wurden mit Rennpferden gemacht).

Unangenehme Taktile Stimulation. Eine Fliege die auf dem Pferd landet, wird sofort verscheucht durch den Schweif, Kopfschütteln, Beine bewegen, usw. Weiter werden die Gerte besprochen wie auch die taktilen Stimulationen während dem reiten. Wie auch, welche physiologische Reaktion abläuft, wenn eine Nasenbremse (Twitch) verwendet wird. Die drei Nervenendigungen welche Druck, Berührung und Schmerz erkennen.

Pferde mit Stereotypien gehören höchstwahrscheinlichzu den Pferden, welche eine erhöhte Sensibilät gegenüber taktilen Stimuli zeigen. Es gibt eine weitere Studie, welche zeigte, das die Sensibiltät gegenüber taktilen Stimulationen mit dem Alter abnimmt, besonders ab 20 Jahren. Es müssen weitere Studien durchgeführt werden, um herauszufinden, ob es die Sensibilität vom Alter, von der Gewöhnung oder von einer gelernten Hilflosigkeit führt. Wie auch, ob dies Rassenabhängig ist.

Weitere Faktoren, welche die Wahrnehmung beeinflussen

Individualität und Temperament Persönlichkeit wird definiert als eine Gesamtheit individueller Verhaltens- und physiologischer Merkmale, die über Zeit und Kontext hinweg konsistenz sind.“ Bei Pferden wurde die Persönlicheit untersucht, aber selten in Anbetracht der sensorischen Sensibilität. Dabei wurde in Studien festgelegt, das dies ein wichtiger Wert für das Wohlbefinden des einzelnen Pferdes sei. So gäbe es bei Pferden diejenen, die eher taktile sensitiv, gustatorisch-olfaktorisch sensitiv, auditiv-sensitiv oder visuell sensitiv waren. Diese Resultate zeigen, das Pferde, wie bei Menschen und anderen Tierarten, unterschiedliche auf externe Stimulus reagieren.

Jahreszeiten und zirkidiane Rhytmen Studien untersuchten die Unterschiede im Stoffwechsel von wilden wie domestizierten Tieren und fand heraus, das beide immer noch die Fähigkeit besassen, auf die Jahreszeitlichen Rhytmen zu reagieren (Sommer vs. Winter). Des weiteren zeigten sich ein endogener zirkadianer Rhytmus von Muskel Funktionen, unter anderem beeinflusst durch unseren Rhytmus wie auch einen natürlichen 24-Stunden Rhytmus. Es wurde vorgeschlagen, dass das Pferdetraining mit natürlichem Licht sich eher synchronisiert / übereinstimmt mit ihrem natürlichen Rhytmus und Training wärend den dunklen Stunden im Winter eher vermieden werden sollte. Es bleibt die Frage offen, ob es einen optimalen Zeitpunkt für das Training gibt hinblicklich des zirkadianen und jahreszeitlichen Rhytmen.

Weitere Blogs:

Quellenverzeichnis:

Dies ist eine Übersetztung von folgendem Review: „Sensory Abilities of horses and their importance for equitation science“. Publiziert im frontiers in Veterinary Science am 9.9.2020. Die Arbeit wurde von Maria Rørvang, Birte L. Nielsen und Andrew Neil McLean

https://www.hfwu.de/forschung-und-transfer/institute-und-einrichtungen/institut-fuer-angewandte-agrarforschung-iaaf/sensorische-lateralitaet-und-emotionalitaet-der-pferde-in-lernversuchen-und-in-der-mensch-tier-interaktion/

Abbildungsquellenverzeichnis:

LED-Beleuchtung in der Pferdehaltung. Horse Centric Lighting; Thomas Jost*, Serge Stephan*, Martin C. Stäcker*; 14. Internationales Forum für den lichttechnischen Nachwuchs, 2019

Die Welt aus der Sicht des Pferdes; Sport Bulletin; Gesundheit im Springsport; 2013

Schreibe einen Kommentar