Dein Hund hat Stress & Übelkeit während dem Autofahren?

Fährt dein Hund entspannt im Auto mit? Welpen sollten schon früh bekanntschaft mit Schaukeln, Wippen machen und langsam an das Autofahren gewöhnt werden. So kann viel Stress in der Zukunft vermieden werden. Dies gilt ebenso bei geretteten Strassen-Hunden aus dem Ausland, die zu uns kommen. Je nachdem, neben der langen Fahrt in die Schweiz, haben diese noch nicht viel Erfahrung im Auto gesammelt. In diesem Blog Beitrag geht es um die Angewöhnung (Desensibilisierung) zum Autofahren.

Deinem Hund wird schlecht im Auto – wegen dem Stress oder wegen einer echten Reisekrankheit? Gerne möchtest du entspannt mit deinem Hund reisen? Kontaktiere mich.

Ob im Auto oder zu Hause entspannt schlafen können – Der Traum von vielen?

Wenn sich der Hund im Auto unwohl fühlt oder unter der Reisekrankheit leidet, so wird er:

  • Winseln/unruhig herumlaufen oder eher lethargisch und Untätigkeit sein
  • Übermassig Sabbern (bis die Vorderseite komplett durchnässt ist)
  • Schmatzen oder Lecken der Lippen
  • Erbrechen
  • Diarrhöe / Durchfall

Neben den gesundheitlichem Unwohlsein vom Hund, kann sich das Unwohlsein des Hundes im Auto auch dazu führen, dass der Mensch-Hund-Verhältnis gestört wird. So geben Hundehalter in einer Marktforschung von Cerenia kund, dass 46% Hunde-Besitzer in der Beziehung «beeinträchtigt» sind, 83% würden mehr mit ihrem Hund verreisen, wenn dieser nicht von der Reisekrankheit betroffen wäre. (AAHA, 2018)

Das Problem: Die Assoziation und/oder die Übelkeit?


Wie bei den Menschen gibt es auch Hunde, welche es beim Autofahren übel wird (=Reisekrankheit, eine Kinetose).

Die Problematik der Reisekrankheit ist, dass sie auch zu Verhaltensproblemen bei den Hunden führt. Wenn der Hund schon vorgängig unter der Reisekrankheit im Auto leidet, so wird er das Auto mit der Übelkeit verbinden. Wenn dies der Fall ist, löst diese Assoziation schon Stress aus.

Ein weiterer Auslöser muss nicht die Übelkeit sein, sondern schlechte Erfahrungen mit dem Auto.

Der Einfluss vom Alter

Bei meiner Recherche traf ich auf folgende Aussage: „Die Reisekrankheit tritt mehr bei jüngeren Hunden unter jährig auf.“

Dies wird gerne damit in Verbindung gebracht, dass das Innenohr, welches für die Balance zuständig ist, noch nicht vollständig ausgebildet ist. Und sobald dies der Fall ist, wird sich die Übelkeit „auswachsen“ (wenn sie vorher nicht schon eine negative Assoziation gebildet haben). Zu dieser Aussage habe ich bis dato aber noch keine Bestätigung von eineer verlässlichen Quelle erhalten. Somit werde ich diese Aussage mit Vorsicht geniessen. Zudem wiederspricht sich die Aussage mit der Erfahrung einer Züchterin, welche die Welpen von früh an auf Schaukeln setzt. Keiner ihrer Welpen hatte bis dato Mühe mit dem Autofahren.

Erwachsene Hunde sind ängstlich oder haben Stress und Übelkeit während dem Reisen. Dies wird besonders auf mangelnde Konditionierung, Reaktion auf ungewohnte Reize, die mit dem fahrenden Auto verbunden sind.

Die Grundlage: Die Angewöhnung, respektive Desensibilisierung


Autofahren ist nichts Natürliches. Die Geräusche, die schnellen Bewegungen, die unzähligen Duftspuren, usw. können Angst und Stress beim Tier auslösen. Ein langsames Angewöhnen hilft späteren Stress für Hund und Hundebesitzer zu umgehen.

Zum unten beschriebenen Welpentraining und Desensibiliserung sollte auch mit Strassenhunde, die vom Ausland zu uns reisen, durchgegangen werden. Eventuelle traumatische Erfahrungen, keine Erfahrung mit Autos, Müllwagen oder befahrene Strassen sind bei den Hunden zum Teil gar nicht vorhanden. Wir gehen vielfach einfach davon aus, das es geht.

Auch der Charakter spielt mit: Eher ängstliche Hunde können ohne genügend gute Angewöhnung ans Auto schneller an einer Kinetose leiden. Hinzu kommt, wie sich der Besitzer verhält (Grundsatz: ist der Besitzer ängstlich – wird der Hund auch ängstlich sein).

Das Training beginnt im Welpen-Alter

Grundsätzlich sollte bei Welpen schon eine langsame Gewöhnung an das Auto stattfinden. Dies kann mit Futterstücken / Guddelis erfolgen oder weiteren Motivationsmittel (Belohnen, usw.) Ob dies mit Apportierspielen oder Futtersuchen kombiniert wird ist jedermanns eigenermessen.

  • Immer wieder mal ins Auto setzten von klein auf – ohne das der Motor an ist
  • Immer wieder mal ins Auto setzten von klein auf – Motor anstellen und wieder abstellen
  • Den Hund kurz alleine lassen und sich z.b. auf den Fahrersitz setzten (natürlich so, das dem Welpen nichts passieren kann)
  • Von da an, mal eine kurze Strecke fahren bis hin zu Mini-Fahrten zu einem coolen Ort (ohne das ihnen schlecht wird – bei den kleinsten Anzeichen stoppen und eine Pause einlegen).
  • Von Klein auf dem Hund die Möglichkeit geben, sich auf einer Schaukel Auszubalancieren, auf leicht unstabilen Untergründen (Schaumstoffkissen), Wippen bekanntschaft zu machen, usw. Dies geht in das sog. Propriozeptive Training und fördert die Wahrnehmung des eigenen Körpers inkl. zum Vestibulär – Apparat. Auch bei älteren Hunden würde ich mit dem propriozeptivem Training den Hund unterstützen (mit den Händen, auf einer Luftmatratze, usw.).
  • Den Hund z.B. mal ein «Leiterli-Wagen» setzten und -natürlich unter Aufsicht- langsam herumfahren

Die Desensibilisierung vom Auto von einem älteren Hund

Wichtig in kleinen Schritten (dem Hund angepasst) und langsam aufbauen. Dies kann von einigen Wochen zu einigen Monaten gehen, je nach Charakter und Vertrauen vom Hund. Zwischen jedem Schritt sollte der Hund Stressfrei und Ruhig sein, bevor zum nächsten Punkt gegangen wird. 

  1. Mit dem Hund am stehenden Auto vorbeilaufen 
  2. Übungen und Spiele beim, um und im Auto machen 
    • Hin und zurück am Auto vorbeilaufen 
    • Mal ins stehende Auto springen
  3. Punkt 2 bei laufendem Motor wiederholen
  4. Kurze Fahrten, wie die Auffahrt auf und abfahren und Belohnen. Danach immer wie längere Strecken zurücklegen, besonders an coole Orte oder eine Pause im Wald mit einem Picknick und Futter. Nicht nur zum Tierarzt mit dem Auto (=negative Assoziation).

Mit was wird gearbeitet? 

Je nachdem mit was das du sonst auch arbeitest oder arbeiten möchtest. Möglichkeiten sind zum Beispiel mit dem Clicker, einem Handtarget oder Apportierbeutel. Viel Belohnen und Motivieren, mit deinen Mittel der Wahl (oder mit deinem Trainer besprochen – Motivationsmittel je nach Hund verschieden).

Hinweis: Wenn mit Futter/ Gudeli gearbeitet wird, und du schon bei Punkt 5 bist. Fahren mit vollem Magen kann zu Übelkeit und Erbrechen führen.

«Die systematische Desensibilisierung funktioniert gut bei Welpen und Hunden, die aufgrund von Ängsten oder Furcht erbrechen. Ca. 15% der Hunde leiden unter einer «echten» Reisekrankheit. Eine Verhaltensänderung durch systematische Desensibilisierung wird bei einem vestibulären Problem wahrscheinlich nicht helfen.» zitiert (Breton, 2022)

Bei der echten Reisekrankheit gibt es je nach „Schweregrad“ unterschiedliche herangehensweisen. Von der Kombination Verhaltenstraining, Medikamente (nur in Absprache mit einem Tierarzt), IMIM – System (angewandte Zoopharmakognosie) und/oder propriozeptives Training kann individuell zusammen gearbeitet werden.

Allgemeine Bedingungen beim Autofahren


Manchmal kann die Reiseübelkeit auch an gewisse Faktoren gebunden sein wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder die Position vom Hund im Auto. 

Vor dem Auto

  • Das Auto desensibilisieren / Angewöhnen (siehe oben)
  • Vor der Autofahrt mental und körperlich auslasten
  • Vor dem Einsteigen schon schauen, dass der Hund nicht aufgeregt ist -> er wird auch drinnen aufgeregt sein

Im Auto

  • Fenster einen Spalt öffnen (dadurch wird der Luftdruck im Auto an den Luftdruck draussen angepasst und frische Luftzufuhr; Duft von aussen «Duftspur» – spannender für den Hund)
  • Wo ist der Hund am wohlsten? in einer Box, im Kofferraum, ist es besser wenn der Hund aus dem Fenster schauen kann oder nicht (z.B. mit einem Hundegurt angemacht)?
    • Falls der Hund in einer Box fahren sollte: Zu Hause schon eine Box aufstellen und die «Ruhe« darin üben, sodass es im Auto auch nichts besonderes ist
  • Mindestens 3 Stunden vor der Autofahrt kein Futter geben und immer frisches Wasser anbieten (Futtermenge je nach Rasse und Alter unterschiedlich)
  • Im Auto sollte die Temperatur kühl und die Grundstimmung ruhig sein (Musik und Lautstärke entsprechend)
  • Wie könnte man es für den Hund angenehmer machen? Z.B. heisser Sommertag eine kühl Matte (Achtung bei älteren Hunde Blasenentzündungen)

Auch wenn das Herausschauen aus dem Fenster vielen Hunden Spass macht, so sollte aufgrund der Verletzungsgefahr nicht möglich sein für den Hund.

Gesetzliche Lage Hund im Auto & im Strassenverkehr in der Schweiz


Wo darf mein Hund überhaupt im Auto mitfahren? Muss er nicht in einer Box sein, respektive darf ich ihn nach vorne nehmen?

  • Der Hund ist im Recht ein «Gut» und muss entsprechend im Auto gesichert werden. Das heisst, er darf den Lenker des Autos nicht stören.

Das heisst in anderen Worten, es gibt kein Gesetzt, welches besagt, dass der Hund angegurtet oder in einer Box sein muss. So ist es, je nach Hund, möglich, zwischen den Beinen des Beifahrers genügend gesichert ist. Oder ein Trenngitter hinter den Rücksitzen reicht auch aus.

Beispiel: Im Falle eines Junghundes, welches sich die ganze Zeit auf den Fahrer legt, der darf nicht vorne mitfahren. 

Neben dem gelten weitere Tierschutzrechtliche Grundsätze auch für den Transport vom Hund. Wird hier nicht weiter ausgeführt. (Jung, 2021)

Gerne arbeite ich mit deinem Hund zusammen


Der Stress rund ums Auto ist schon da?
Gerne arbeite ich mit deinem Hund zusammen, um ihm die Angst und Übelkeit vor dem Autofahren zu nehmen. Hierbei verwende ich ätherische Öle, Hydrolate & co.

Je nach Stress-Level des Hundes sind 2 – 3 Sitzungen in der Regel nötig. Eine Sitzung geht bis zu 2 Stunden und kostet CHF 90.- –

Melde dich bei mir: s.binggeli@arthes.ch oder telefonisch 031 972 48 40.

Weitere Blog – Themen:

Quellen: Die Quellen finden sich momentan noch in der Original-Arbeit „Stress und Hunde im Auto“. Sobald wir mindestens 20 Hunde zusammen haben, werde ich die ersten Ergebnisse veröffentlichen.

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